Orange Day

Kein Alkohol am 25.

Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist ein großes Problem überall auf der Welt. Bis zu 80 Prozent der Gewalt sind alkoholbedingt. Unsere Idee: Was würde passieren, wenn wir alle nur einen Tag im Monat auf Alkohol verzichten könnten? Das wäre nicht zu schwer, oder? Das allein wären schon mehr als zwei Prozent der Gewalt gegen Mädchen und Frauen weniger. Das wäre kein kleiner Tropfen im Ozean. Das wären tausende Frauen, die ein freieres Leben führen würden. Wir wollen, dass jeder 25. in einem Monat ein alkoholfreier Tag wird. Wie wäre es mit einem orangen Getränk für einen orangen Tag? Wir machen jeden 25. zu einem alkoholfreien Tag!

Der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria hat mit dem Brauereiriesen Heineken einen Vertrag zur Zusammenarbeit unterzeichnet. Die Zusammenarbeit mit einer Branche, deren Produkte dem Ziel der Organisation direkt entgegenwirken ist inakzeptabel, und Deutschland muss jetzt als viertgrößter Geber des Fonds handeln.

AIDS-Buchstaben

Infektionskrankheiten wie HIV/Aids und Tuberkulose (TB) machen einen großen Teil der Krankheitslast in vielen Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen aus. Die Krankheiten treffen die Menschen, die daran erkranken natürlich am härtesten, aber in der Folge auch die betroffenen Familien, Gemeinden und ganze Nationen. Der Globale Fonds leistet daher eine enorm wichtige Aufgabe in der Welt bei der Verhütung übertragbarer Krankheiten und der Entwicklung von Gesundheitssystemem für die Infizierten.

Diese wichtige Arbeit gemeinsam mit der Alkoholindustrie leisten zu wollen ist bemerkenswert. Die Beweislast ist nämlich erdrückend: Alkoholkonsum steht eindeutig in Zusammenhang mit HIV/Aids, Tuberkulose, sowohl was die Verbreitung angeht als auch den Behandlungserfolg.

Partnerschaft an sich ist ja gut. Eine engere Kooperation mit der Wirtschaft kann in vielen Fällen für eine bessere öffentliche Gesundheit und Entwicklung in der Welt sorgen. Aber die Zusammenarbeit mit einer Branche, die klare kommerzielle Sonderinteressen verfolgt, die sich so eindeutig sowohl auf die Gesundheit als auch Entwicklung in der Welt auswirken, ist einfach verrückt.

Heineken ist der weltweit zweitgrößte Bierhersteller. Ein zunehmend größerer Teil der Unternehmensgewinne stammt aus Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen, Orte, an denen in den letzten Jahrzehnten enorme Ressourcen für Marketing und politischen Einfluss investiert wurden. Studien belegen auch, dass fast die Hälfte der Alkoholumsätze von Menschen mit gesundheitsschädlichem Konsum stammen.

Alkoholkonsum ist ein klarer Risikofaktor sowohl für HIV/Aids als auch Tuberkulose. Das Risiko von ungeschütztem Sex erhöht sich beträchtlich während des Rausches und Behandlungserfolge verschlechtern sich wesentlich, wenn der Patient regelmäßig trinkt. Zum vergangenen Jahresende belegte ein in »The Lancet« veröffentlichter Forschungsbericht, dass etwa 10 Prozent aller Tuberkulose-Todesfälle alkoholbedingt sind.

Die Maßnahmen, die die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt um die meisten Alkoholprobleme kosteneffektiv zu verhindern, sind hohe Preise, eingeschränkte Verfügbarkeit sowie Verbote oder strenge Regeln für Alkoholwerbung. Dies sind Maßnahmen, die Heineken und andere Alkoholkonzerne konsequent ablehnen. Mit der Hilfe von Lobbyisten versuchen sie Einfluss auf Regierungen zu nehmen und sich für andere, viel weniger effektive Maßnahmem wie zum Beispiel Aufklärungskampagnen stark zu machen.

Diese Art der Zusammenarbeit mit dem Globalen Fonds ist ein Teil der Heineken-Bemühungen sich als verantwortungsvolles Unternehmen zu verkaufen. Forschungsbewertungen der unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung (CSR) der Alkoholindustrie weisen auf zweifelhafte Ergebnisse hin und die Schlussfolgerung ist, dass genau wie im Fall der Tabakindustrie diese Bemühungen als Teil von Lobbyismus zu werten sind. Darauf sollte sich ein so wichtiger Akteur wie der Globale Fonds nicht einlassen.

Deutschland zahlt seit 2017 über drei Jahre 800 Millionen Euro in den Globalen Fonds ein und ist damit einer der größten Geber. Dies führt zu Einfluss und Verantwortung – Deutschland muss jetzt entschlossen handeln, um die Zusammenarbeit zwischen dem Fonds und Heineken zu beenden. Es geht dabei nicht nur um Glaubwürdigkeit sondern vor allem um Menschenleben und deren Wohlbefinden.

In einem offenen Brief hat sich die Präösidentin von IOGT International, Kristina Šperková, heute an den Globalen Fonds gewandt und ihn zur Beendigung der Partnerschaft mit Heineken aufgefordert.