Suchtkranke werden immer noch von der Gesellschaft geächtet und für ihre Erkrankung selbst verantwortlich gemacht. Führende SuchtexpertInnen aus Deutschland, darunter Guttempler-Geschäftsführerin Wiebke Schneider trafen sich im vergangen Herbst um zu beraten, wie diese Stigmatisierung überwunden werden kann. Geleitet wurde die Tagung von Georg Schomerus, einem international angesehenen Stigmaforscher von der Universität Greifswald, in Zusammenarbeit mit Annemarie Heberlein (Medizinische Hochschule Hannover) und Hans-Jürgen Rumpf (Universität zu Lübeck).

Arbeitsgruppe an OstseeküsteHerausgekommen ist dabei eine Denkschrift, vornehm »Memorandum«, die den Versuch unternimmt, das Phänomen der Stigmatisierung von Menschen mit Suchtkrankheiten zu erklären und Wege aufzuzeigen, wie ein stigmafreier Umgang mit Suchtkrankheiten aussehen kann. Die AutorInnen setzen sich aus einer interdisziplinären und internationalen Gruppe von WissenschaftlerInnen, PraktikerInnen und Betroffenen zusammen, dia dazu auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht,) gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit, in Greifswald für eine Woche in Klausur gegangen waren.

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Stigmatisierung schadet den Betroffenen und verstärkt Suchtprobleme. Sie ist ein Hindernis auf dem Weg zur Hilfe, führt zu schlechterer Behandlung und vergrößert die sozialen und gesundheitlichen Folgen einer Suchtkrankheit. Das gilt sowohl für die individuellen Folgen als auch für die gesellschaftlichen einschließlich der öffentlichen Gesundheitskosten. Zudem ist Stigmatisierung ein ethisches Problem, weil sie eine bestimmte Gruppe benachteiligt und die Menschenwürde der Betroffenen angreift.

Ein stigmafreier Umgang mit Suchtkrankheiten ist möglich. Entstigmatisierung bedeutet, bessere Lösungen für Suchtprobleme zu finden und verfügbar zu machen. Nicht Abwertung, Ausgrenzung und Disziplinierung, sondern Wertschätzung und Befähigung (Empowerment) müssen im Zentrum von Prävention, Behandlung sowie dem alltäglichen Umgang mit Suchtkrankheiten stehen.

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Aktualisierung 14.04.2017 16:44:47
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Vorstellung Memorandum

Präsentation von Georg Schomerus, Universität Greifswald

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