Jahrbuch Sucht 2017Im Jahr 2015 wurde in Deutschland mit 9,6 Liter reinem Alkohol ebenso viel getrunken wie im Jahr zuvor (9,6 Liter). Berücksichtigt man, dass der meiste Alkohol in Deutschland von 15- bis 65-Jährigen getrunken wird, erreicht der Durchschnittskonsum der Bevölkerungsmehrheit 14,6 Liter Reinalkohol. Damit bleibt der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland unverändert auf sehr hohem Niveau. Der Gesamtverbrauch an alkoholischen Getränken sank im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr um 1,02 % auf 135,5 Liter pro Kopf der Bevölkerung. Auf den gesamten Alkoholkonsum, gemessen in Reinalkohol pro Kopf, entfallen 5,1 Liter auf Bier, 2,3 Liter auf Wein, 1,8 Liter auf Spirituosen und 0,4 Liter auf Schaumwein.

Dies sind die aktuellen Zahlen, die die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen heute im »Jahrbuch Sucht 2017« veröffentlicht.

Trotz eines geringen Konsumrückgangs kann keine Entwarnung gegeben werden. Wie die Ergebnisse repräsentativer Umfragen und Hochrechnungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, sind insgesamt 3,38 Millionen Erwachsene in Deutschland von einer alkoholbezogenen Störung in den letzten zwölf Monaten betroffen (Missbrauch: 1,61 Millionen; Abhängigkeit: 1,77 Millionen) 74.000 Todesfälle werden jährlich durch Alkoholkonsum oder den kombinierten Konsum von Tabak und Alkohol verursacht.

Alkohol häufigster Grund für Krankenhausaufnahme von Männern

Die Diagnose »Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (F 10)« wurde im Jahr 2015 mit 326.971 Behandlungsfällen als zweithäufigste Einzeldiagnose in Krankenhäusern gestellt. Bei Männern war dies die häufigste Hauptdiagnose in Krankenhäusern (238.747 Behandlungsfälle). Auch die Zahlen der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in 2015 aufgrund eines akuten Alkoholmissbrauchs in Krankenhäusern stationär behandelt wurden, ist weiterhin hoch: Mit 21.907 Patienten zwischen zehn und 19 Jahren lag die Zahl nur 2,2 % unter dem Vorjahreswert. Im Vergleich zur Behandlungszahl des Jahres 2000 (circa 9.500 Behandlungsfälle) entspricht das immer noch einer Steigerung von 130,3 %.

Nieten in Nadelstreifen weiterhin unbehelligt

Eine aktuelle Untersuchung beziffert die direkten und indirekten Kosten des Alkoholkonsums in Deutschland auf rund 40 Milliarden Euro. Dem stehen Einnahmen des Staates aus alkoholbezogenen Steuern von nur 3,191 Milliarden Euro (2015) gegenüber. Managern, die das Jahr mit einem Minus von 37 Milliarden Euro abschließen, wären schon längst sämtliche Boni gestrichen und ihr Stuhl vor die Tür gestellt worden. Dem deutschen Chefmanagement, der Bundesregierung, droht solches Ungemach nicht. Die Guttempler-Wahlprüfsteine zur kommenden Bundestagswahl (#BTW17) bieten eine gute Gelegenheit, Kandidatinnen und Kandidaten zur nächsten gesetzgebenden Versammlung auf dieses Verlustgeschäft aufmerksam zu machen und zu dessen Behebung aufzufordern.